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Wechselfehler des FC Bayern München: Was tun, SC Freiburg?

Am Samstag, den 02.04.22 kam es bei der Partie des SC Freiburg gegen den FC Bayern München in der 85. Spielminute beim Spielstand von 1:3 zu folgender Situation:



Der FC Bayern München wechselte den Spieler Süle für den Spieler Tolisso sowie den Spieler Sabitzer für den Spieler Coman ein. Letzterer hatte das Spielfeld allerdings nicht verlassen, weil auf der beim Wechselvorgang benutzten Anzeigetafel nicht dessen aktuelle Rückennummer, sondern die Rückennummer der Vorsaison angezeigt wurde und sich der Spieler Coman daher nicht angesprochen fühlte.


Das Spiel wurde für ca. 20 Sekunden fortgesetzt, bis der die Partei leitende Schiedsrichter Dingert durch Hinweise des Freiburger Spielers Schlotterbeck darauf aufmerksam gemacht wurde, dass der FC Bayern München 11 Feldspieler auf dem Platz habe. Danach wurde die Situation aufgeklärt und der Spieler Coman verließ das Spielfeld.


Seitdem wird heftig über die Folgen dieses Wechselfehlers diskutiert. Ich möchte meine Gedanken zu diesem Thema kurz zusammenfassen.


Ein Einspruch des SC Freiburg hätte nach meinem Dafürhalten keinen Erfolg:


1. § 17 Ziff. 2 a) und 4 der DFB-RuVO werten ein Spiel mit 2:0 für den SC Freiburg, wenn ein Spieler des FC Bayern München nicht spiel- oder einsatzberechtigt war und dieser Spieler schuldhaft eingesetzt wurde.


Nicht einsatzberechtigt ist ein Profispieler – vereinfacht gesagt – wenn ihm die erforderliche Lizenz fehlt; dies kann im Fall der betroffenen Spieler mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.


Nicht spielberechtigt wäre ein Spieler m.E. dann, wenn – wie in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Spiel des VfL Wolfsburg gegen Preußen Münster – ein Spielerwechsel wegen Ausschöpfens des Wechselkontingentes nicht möglich wäre. Hier liegt der Fall aber anders, da die Einwechselspieler Süle und Sabitzer spielberechtigt waren.


2. § 17 Ziff. 2 c) der DFB-RuVO lässt einen Einspruch gegen die Spielwertung bei einem Regelverstoß des Schiedsrichters zu, wenn der Regelverstoß die Spielwertung als verloren oder unentschieden mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinflusst hat.


Im Zeitpunkt des Wechselfehlers befand sich das Spiel bereits in der 85. Spielminute; der FC Bayern München lag mit 1:3 in Führung. Bereits aus diesem Grunde scheint es mehr als fraglich, ob aufgrund des Regelverstoßes eine hohe Wahrscheinlichkeit der Spielbeeinflussung bestanden hat. Dagegen spricht auch, dass der Wechselfehler in der kurzen Zeitspanne von 20 Sekunden aufgeklärt und ein regelkonformer Zustand hergestellt werden konnte.


3. Der Ablauf des Wechselvorgangs wird in Regel 3 Ziff. 3 der Fußball-Regeln ausführlich behandelt; aufgrund der vorherrschenden Verwirrung liegt es nahe, dass der Wechselvorgang den Vorgaben dieser Regel nicht entsprochen hat.


4. Nach meinem Dafürhalten hätte der Schiedsrichter Dingert jedoch bei der Fortsetzung Regel 3 Ziff. 5 beachten müssen: Korrekt wäre es also gewesen, die gegen Regel 3 Ziff. 3 verstoßenden Spieler zu verwarnen und das Spiel mit indirektem Freistoß für den SC Freiburg fortzusetzen.


Sicherlich ist auch eine andere Sichtweise möglich; eine sportgerichtliche Klärung dieser Fragen wird jedoch nur erfolgen, wenn der SC Freiburg fristgemäß Einspruch gegen die Spielwertung einlegt; ob er dies tut, bleibt abzuwarten.


 

Update:

Der SC Freiburg hat soeben mit dieser Begründung Einspruch gegen die Spielwertung eingelegt. Damit ist das DFB-Sportgericht zu einer Entscheidung berufen.


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